Magento ist eine der führenden E-Commerce-Plattformen weltweit. Seit der Übernahme durch Adobe im Jahr 2018 existieren zwei kommerzielle Hauptlinien: Magento Open Source (früher Community Edition) und Adobe Commerce (früher Magento Commerce). Beide basieren auf der gleichen Kerntechnologie, unterscheiden sich aber in Funktionsumfang, Zielgruppe und Preismodell deutlich. Dieser Beitrag fasst die Unterschiede zusammen – inklusive eines Blicks auf MageOS, den aktuellen Community-Fork, der für viele Shops 2026 die ehrlichere Frage ist.

Magento Open Source

Magento Open Source ist die kostenlose, quelloffene Variante. Sie deckt die Kernfunktionen eines E-Commerce-Shops ab – Produktmanagement, Checkout, Zahlungsintegration, Basis-SEO – und ist die richtige Wahl für kleine bis mittlere Unternehmen, die eine flexible und skalierbare Lösung suchen. Die große Entwickler-Community sorgt für eine breite Auswahl an Modulen und Integrationen.

Adobe Commerce

Adobe Commerce ist die kommerzielle Edition. Sie bietet erweiterten Funktionsumfang und ist auf größere Unternehmen oder komplexere Anforderungen zugeschnitten. Sie ist Teil der Adobe Experience Cloud und integriert sich nahtlos in Adobe Analytics, Adobe Target und weitere Adobe-Produkte. Die Lizenzkosten beginnen üblicherweise im fünfstelligen Bereich pro Jahr.

MageOS – die dritte Option, über die zu wenig gesprochen wird

MageOS ist seit 2023 der von der Community getragene Fork von Magento Open Source. Die Idee: Magento Open Source aus dem Adobe-Release-Zyklus lösen, schneller patchen, schlanker entwickeln, langfristig technisch frischer halten. Für Shops, die Magento Open Source bisher gut fanden, aber die Trägheit des Adobe-Releases satt haben, ist MageOS der pragmatische Weg. Wir setzen ihn in Neuprojekten zunehmend als Standard ein.

Vergleich der wichtigsten Dimensionen

1. Funktionen und Erweiterungen

Open Source / MageOS liefert eine solide Basis – Produktmanagement, Checkout, Zahlungsanbindung, grundlegende SEO-Funktionen. Über den Magento Marketplace gibt es eine breite Modullandschaft.

Adobe Commerce ergänzt das um B2B-Funktionen (Company-Accounts, Quotes, geteilte Kataloge), erweiterte Kundenverwaltung, integriertes Reporting, Content Staging und Page Builder. Diese Module sind exklusiv und nicht in Open Source verfügbar.

2. Sicherheit und Compliance

Open Source / MageOS erfordert eigenverantwortliches Patch-Management. Sicherheits-Patches werden regelmäßig veröffentlicht, müssen aber manuell eingespielt werden. Mit MageOS kommen die Patches schneller, weil die Community direkt patcht.

Adobe Commerce bietet automatische Sicherheitsupdates und erweiterte Compliance-Tools. Für Unternehmen mit strengen Anforderungen (PCI DSS Level 1, GDPR-Auditierungen) reduziert das den internen Aufwand.

3. Skalierbarkeit und Performance

Open Source / MageOS skaliert technisch grundsätzlich gut, aber Hosting und Performance-Tuning liegen in der Verantwortung des Betreibers. Mit Hyvä als Frontend und sauberem Caching erreicht man auch hier sehr starke Werte.

Adobe Commerce bringt native Cloud-Unterstützung. Die Plattform skaliert automatisch und ist auf hohe Lastspitzen vorbereitet. Für Shops mit unvorhersehbarem Traffic (Black Friday, TV-Kampagnen) ist das ein echtes Argument.

4. Kosten

Open Source / MageOS ist lizenzkostenfrei. Sie zahlen für Hosting, Entwicklung, Support – aber nichts an Adobe.

Adobe Commerce hat eine Lizenzgebühr, die typischerweise nach Umsatz und Funktionsumfang berechnet wird. Untere fünfstellige bis sechsstellige Beträge pro Jahr sind die Regel.

Faustregel für die Wahl

Bis 5 Mio. € Umsatz / einfacher B2C-Shop: Open Source oder MageOS sind in 90 % der Fälle die richtige Antwort. Ab 20 Mio. € Umsatz / B2B-Komplexität / striktes Compliance-Profil: Adobe Commerce wird interessant. Dazwischen entscheidet die Detailanalyse.

Welche Edition für welche Shop-Größe?

Kleine bis mittlere Shops

Für kleinere bis mittelgroße Shops ist Magento Open Source – oder besser noch MageOS – der ideale Einstieg. Sie erhalten eine leistungsfähige Plattform ohne Lizenzkosten, mit allen wichtigen E-Commerce-Funktionen. In Kombination mit Hyvä als Frontend bekommen Sie ein modernes, schnelles Setup, das mit dem Geschäft mitwächst.

Größere Unternehmen und B2B-Shops

Für größere Unternehmen oder Shops mit komplexen B2B-Anforderungen ist Adobe Commerce die solidere Wahl. Die erweiterten Funktionen, der professionelle Support und die Cloud-Skalierbarkeit rechtfertigen die höheren Kosten – vorausgesetzt, diese Features werden tatsächlich genutzt. Wir sehen oft Shops, die Adobe Commerce einsetzen, aber 80 % der Premium-Module ungenutzt lassen. In dem Fall ist Open Source plus gezielte Eigenentwicklungen meistens wirtschaftlicher.

Fazit

Die Wahl zwischen Adobe Commerce und Magento Open Source hängt nicht von Vorlieben ab, sondern von Shop-Größe, Funktionsbedarf und internem Setup. MageOS ist 2026 die ernste dritte Option, die im klassischen Vergleich oft fehlt – und für viele Magento-Shops der pragmatischste Weg in die nächsten Jahre.

Wenn Sie unsicher sind, welche Edition zu Ihrem Vorhaben passt: schreiben Sie uns. Wir machen einen kurzen Audit Ihres Setups und geben Ihnen eine ehrliche Empfehlung – auch dann, wenn die Antwort heißt, dass Sie keine Migration brauchen.